10:00 Uhr News – Neues aus der Nervenheilanstalt Cenheim

Cenheim (cpa) – Ein typischer regnerischer Morgen in Cenheim. Die erwachenden Straßen der Großstadt reiben sich noch schlaftrunken die grauen Augen und füllen sich nur langsam mit den ersten Lebensgeistern. Als die Gaslaternen nach und nach erlöschen, sind wir bereits vor Ort auf dem Gelände der Cenheimer Nervenheilanstalt, zu Gast bei Magister Scholar Sir Bredley Kingston. Es war nicht leicht einen Termin bei diesem auf Cenhelm hoch angesehenen Gelehrten zu erhalten und allein die erforderlichen Genehmigungen einzuholen kostete die Rehdaktion Monate.

Aufmerksam wurden wir auf die Einrichtung durch das dort angewandte hoch Interessante Therapiekonzept über welches uns der Magister Scholar in reserviertem Ton berichtet:“Hier in der Hauptstelle der Cenheimer Nervenheilanstalt befassen wir uns ausschließlich mit den schwierigsten Patienten. Nur die Interessantesten Fälle finden ihren Weg in unser überaus renommiertes Haus und die Liste unserer Erfolge sprechen für sich.“ näselt der Wissenschaftler im weißen Kittel.
Über das derzeit laufende Projekt verrät er uns, dass die derzeitigen Patienten, welche sich teilweise in einer Art offenen Therapie befinden, größtenteils unter massivem Wahnvorstellungen leiden. „Sie erinnern sich vielleicht an die Unruhen die wir hier vor einigen Jahren hatten – so läuft es oft bei Neuzugängen. In diesem Fall war es eine besonders verwirrte Dame mit alarmierend rotem Haar. Sie hält sich bis heute selbst für eine Inquisitorin des Imperiums – ein derzeit erstaunlich oft anzutreffendes Verhaltensmuster. Es kostet das Gesamte Personal viel Mühe und auch Geduld mit solch armen verwirrten Seelen umzugehen und sie würden staunen auf welch kolossale Summe unser Budget für Kunstblut inzwischen angewachsen ist.“
Die Bewohner Cenheims erinnern sich vermutlich noch mit einem Schmunzeln an die oftmals an ein Schauspiel grenzende offene Therapie, auf den Straßen der Stadt, als besagte Patientin mit einer Wasserpistole umher irrte und auf eingeweihe Passanten „schoss“. Es ist rührend mit anzusehen wie sehr sich die Bevölkerung für die geistig Schwachen einsetzt und so einen großen Teil zu dieser verhaltensforschenden Therapiemethode beiträgt. Die vor gut drei Jahren an die Medien gerichtete Bitte seitens des Sanatoriums, sich in der Berichterstattung über Patienten des Hauses möglichst zurückzuhalten, wurde ja schon damals sehr positiv beschienen und konnte sogar unmittelbar in das Projekt einfließen. Erfolgserlebnisse verschaffen den Patienten wichtige positive Eindrücke und so konnte der „Inquisitorin Rothschild“ vermittelt werden sie habe eine Zensur über die Berichterstattung der Cenheimer Zeitungen verhängt.

(Quelle: DasReh)
(Quelle: DasReh)

„Am schwierigsten war es nicht zuviel zu Grinsen.“ berichtet Miss Baker vom Cenheimer Herold. „Sie kam herein gestürmt und hatte diesen etwas wirren Blick und war dennoch so überzeugt von dem was sie dort sprach. Sie tat mir schon leid, aber lustig war es trotzdem irgendwie – auch wenn ich weiß, dass man über sowas nicht scherzen sollte.“
Der Journalistin geht es in diesem Fall wie den meisten Bewohnern der Stadt. Ein weiterer direkt involvierter Zeuge berichtet: „Es war ein Tag wie jeder andere. Ich saß zusammen mit meinem Bruder im Wagen, wir parkten am Straßenrand und unterhielten uns über die letzte Rundfunksendung, als diese Frau herbei gerannt kam. Ich hatte noch gelacht und zu Joseph gemeint, dass das doch diese Verrückte aus der Zeitung sei, als sie mich auch schon einfach mit ihrer etwas klobigen Wasserpistole vollspritzte. Den ganzen Innenraum hat sie vollgespritzt. Zum Glück waren wir eingewiesen und so hörte sie auch erst auf, als wir uns über das Armaturenbrett legten und uns nicht mehr bewegten.“
Derartige Zwischenfälle sind keineswegs ein Einzelfall und sollten sie einmal selbst auf einen Patienten der Einrichtung treffen, sollten Ihnen nachfolgende Hinweise hilfreich sein:

  • Keine Panik! Die Wasserpistolen sind mit auswaschbarer Farbe bestückt und entstehende Reinigungskosten werden von der Nervenheilanstalt gegen Vorlage von Rechnungsbelegen unkompliziert beglichen.
  • Einfach flach Hinlegen! Sollten sie von einem Patienten angegangen werden stellen Sie sich einfach tot. Dieses Verhalten befriedigt die Masse der Patienten des Hauses und sie werden rasch weiter gehen.
  • Einfach Lächeln und Winken! Geben Sie keine Widerworte und lassen Sie den Personen Ihren Willen.
  • Bitte nicht Lachen oder Schmunzeln! Für die Patienten des Hauses sind diese Situationen sehr ernst und Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Therapie, wenn Sie die Illusion nicht zerstören.

Auf der Insel des Sanatoriums unterhalten wir uns mit der Pflegerin der Patientin Katharina Rothschild über ihren Schützling. Es war nicht leicht an Frau Cas-sa Winter heran zu kommen. Derzeit mimt sie die Leibwächterin der geistig Verwirrten und hat so immer einen Grund ständig in ihrer Nähe zu bleiben: „Es ist wirklich ein harter Job. Derzeit muss ich zusammen mit dem restlichen Pflegepersonal in einer Höhle schlafen und seit neustem verlangt sie von mir, dass ich eine Maske trage. Das ist alles andere als Bequem. Immerhin wusste ich vorher auf was ich mich einlasse. Diese Patientin ist ein wirklich harter Fall und schon seitdem sie bei uns ist versucht sie ständig sich mit den anderen Patienten anzulegen. Der arme Herr Burton aus dem obersten Stockwerk traut sich schon gar nicht mehr auf die Straße und selbst seine Mutter wollte sie entführen. Ich bin mir nicht sicher ob wir ihr noch helfen können. Sie ist ja so paranoid und selbst die Einnahme von Medikamenten verweigert sie voll und ganz. Dabei hatten wir uns schon so ein gutes System überlegt um ihr die Beruhigungsmittel heimlich zu verabreichen. Der Hausmeister hatte das Präparat in den Lampen untergebracht, aber irgendwie kam sie wohl dahinter.“ Frau Winter schüttelt den Kopf und nimmt ihre Maske wohl das erste Mal seit Tagen ab. Man sieht ihr die harte Arbeit an den Augen an und umso mehr Respekt haben wir vor der Leistung der gelernten Krankenpflegerin. „Große Frauen wie ich sind gerne Gesehen in der Anstalt. Es ist ein Job wo man auch mal zupacken muss, besonders mit so störrischen Patientinnen.“

Die Rehdaktion wünscht dem Personal der Cenheimer Nervenheilanstalt viel Geduld und Kraft für die weitere Arbeit und den armen Patienten des Hauses eine schnelle Genesung – auch wenn für viele wohl keine Hoffnung mehr zu bestehen scheint.

Für die Rehdaktion

senf

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