[Rollenspiel und Neugeborenes] Teil 1: Wie kann das gehen?

Guten Morgen Leute 🙂

Wie ihr inzwischen möglicherweise mitbekommen habt ist bei uns vor nun knapp sechs Wochen ein kleines Mädchen eingezogen. Diese kleine Dame hat die Attribute unseres Alltags völlig verworfen und ausnahmslos neu ausgewürfelt.
Wir hatten uns schon im Vorfeld gefragt wie es wohl weitergehen würde – nicht nur mit der Kleinen und mit uns – sondern auch mit unserem liebsten Hobby. Wäre es überhaupt möglich mit so einem kleinen quängeligen Menschen am Tisch sinnvoll Pen & Paper zu betreiben? Wenn ja – ab wann würde das gehen? Doch wohl nicht sofort und sollte man nicht ohnehin erstmal alle zur Verfügung stehende Zeit für seinen kleinen Schatz aufbringen? Diese und mehr Fragen beschäftigten meine Frau und mich.
Sinn dieses Beitragsformates soll es sein ein wenig mehr Licht ins Dunkel dieses Baby-Mysteriums zu bringen und mit euch unsere noch sehr frischen Erfahrungen zu teilen. Natürlich alles im Kontext des Themas Rollenspiel.

Ehlana_WürfelhandWir schafften es etwa eine Woche nach der Geburt von Ehlana die Würfel das erste Mal wieder über den Tisch des Bundesrollenspielkellers rollen zu lassen. Nach dem Stress der ersten Tage, der langen Nächte und der ansonsten völligen Fixierung auf die Kleine tat dies auch wirklich gut. Da wir uns nicht sicher waren ob das überhaupt klappen würde waren auch nur zwei Spieler am Tisch – naja und ich als Meister. Zusammen mit der frisch gebackenen Mutter, unserem lieben Reh, und der guten Labura, schwangen wir uns zurück ins düstere 41. Jahrtausend um den Feinden des Imperiums auf den Pelz zu rücken.
Mit Sicherheit kann man nicht behaupten, dass wir die kleine beim Spielen nicht bemerkt hätten. Säuglinge brauchen Aufmerksamkeit und wenn sie grade mal still sind, dann macht man sich Sorgen warum sie jetzt still sind. Als junge motivierte Eltern die viel im Web recherchierten war der Willenskraftwurf gegen Furcht vor einem plötzlichen Kindstod, oder anderen statistisch unwahrscheinlichen Gruselgestalten, sehr anspruchsvoll. Selbst wenn man sich immer wieder vor Augen hält, dass sicher alles gut ist – so ganz kriegt man solche Gedanken nicht aus dem Hinterkopf verbannt. Auch gegen sowas zeigte sich ein wenig Ablenkung als durchaus hilfreich.

Obwohl Ehlana in ihrem Bettchen, bei Mama auf dem Arm oder auf einer Decke auf dem Spieltisch lag – es war durchaus möglich zu spielen. Einige Stunden schlief sie ohnehin und die Geräuschkulisse schien sie dabei auch nicht weiter zu stören. Wir achten generell darauf, dass es bei uns tagsüber nicht leise ist – Flüsterton, gedämpftes Licht und reizarme Umgebung sind etwas für die nächtliche Schlafenszeit. Dieser lebhafte Zustand ist uns auch nicht nur für unsere Spielrunden wichtig, sondern auch damit wir nicht irgendwann auf Zehenspitzen durch die Bude schleichen müssen, aus Angst unsere schlummernde Tochter könne erwachen. Die kleine Dame sollte sich von Anfang an daran gewöhnen, dass das Leben (auch für Nerds) doch überwiegend tagsüber stattfindet.
Ohne Frage kann ich sagen, dass die ersten zwei Spielabende beinahe mehr Stress als Erholung für uns waren. Die Betonung liegt an dieser Stelle allerdings auf beinahe!
Da wir in Zukunft nicht auf unser liebstes Hobby verzichten wollten hatten wir den Entschluss gefasst, dass wir da nun wohl durch mussten. Sollten Rollenspielrunden wieder zur Normalität werden, war es wohl sehr wichtig auch dafür zu sorgen, dass diese auch stattfanden. Ansonsten konnte ja auch kein Gewöhnungseffekt eintreten. Dieses Konzept geht bisher ganz gut auf und von Runde zu Runde wird es eingespielter, entspannter und flüssiger.

Inzwischen spielen wir wieder in voller Besetzung. Die Spielrunden sind nicht mehr ganz so lang wie vor der Geburt und es gibt natürlich auch mehr Unterbrechungen. Alle Spieler am Tisch sind sich der Situation bewusst und zeigen sich verständnisvoll 🙂 Die Alternative zum Spiel mit Baby am Tisch wäre in unserem Fall dann wohl erst einmal gar nicht mehr zu spielen – jedenfalls so lange bis die Kleine feste Schlafenszeiten hat und entsprechend via Babyphone überwachbar wäre. An diesem Punkt sind wir wohl aber erst in ein paar Monaten 😉

Reh und ich freuen uns sehr über unseren Nachwuchs – wir sind nun offenbar Eltern. Obwohl die Sache sich ja doch langsam abzeichnete (ca. 10 Monate lang), kam es dann alles doch irgendwie plötzlich und so unglaublich anders als man es sich vorgestellt hatte. Wichtig für uns ist, dass wir nun zwar Eltern sind – aber nicht ausschließlich Eltern. Wir sind immer noch ein Paar, Individuen und auch Rollenspieler. Aus diesem Grund wollen wir uns diese „Inseln der Normalität“ erhalten – die nebenbei noch unglaublich wirkungsvoller Balsam für Seele und nervliche Ausdauer sind.

In meinem nächsten Beitrag zu diesem Thema gehe ich dann darauf ein wie genau wir die Kleine während des Spielens unterbringen und wie so eine Spielrunde entsprechend abläuft.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

senf

P.S. Wenn ich jedes Mal einen Euro kriegen würde für ein „Genieß die Zeit – sie ist so schnell vorbei!“…
P.P.S. Wenn jemand von euch mein früheres Ich trifft, welches behauptete „Was soll an einem Baby so anstrengend sein? Die Leute stellen sich sowas von an…“ – bitte ohrfeigt es von mir. Danke.

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