Warhammer 40.000 [Hyperion Reihe] Charakterhintergrund: Orphan [1]

Erneut brachte eine starke Erschütterung die letzten funktionierenden Lumen zum Flackern. Funken stoben aus angerissenen Leitungen und heißer Dampf trat aus überforderten Druckventilen aus. Der Korridor war kaum noch beleuchtet, die Atmosphäre gespenstisch. Dumpf höre man die Einschläge und das gewaltige Dröhnen von riesenhaften Geschützen.
Wieder blitzten Funken und leuchteten den Gang für einen Moment grell aus. Mit leisem knirschen setzte sich ein schwerer Ceramitstiefel auf dem eisernen Lochboden ab und verbanden sich mit leise summend Magnetfeld mit dem metallenen Untergrund. Irgendwo hier musste sie sein.
Mit verkrustetem Blut um die Augen blickte er sich um. Die Autosinne des Helmes halfen nicht länger, nachdem diese Furie ihm selbigen vom Kopf geschossen hatte. Ein gut gezielter Schuss, er hatte trotz übermenschlicher Reflexe nicht annähernd ausweichen können. Die Schmieden des Mars hatten ihr Versprechen gegenüber dem Imperium gehalten und ihm buchstäblich den Kopf gerettet. Wäre seine Rüstung von geringerer Qualität gewesen, würde sein Hirn nun die kargen schroffen Wände des Kreuzers zieren.
Die gepanzerten mechanischen Handschuhe knirschten leise und schlossen sich wie Schraubstöcke um das Heft des noch schlafenden Kettenschwertes, eine Bestie die erst geweckt werden würde, wenn ihr knurren die Beute nicht mehr zu früh aufscheuchen würde. Keine Gnade, kein Erbarmen, kein Entkommen.
Die Servorüstung vibrierte vor Energie als ihr Träger lauernd geduckt weiter voran schritt. Wachsam jede Nische mit seinen Sinnen abtastend, die verzierte Boltpistole geladen und entsichert. Die beiden Herzen in der Brust schlugen langsam aber vorfreudig, bereit die vom Imperator verliehenen Kräfte kontrolliert zu entfesseln.
Wo seine Brüder waren wusste er nicht. Der Verlust des Helmes hatte ihn auch der Möglichkeit zur Kommunikation mit seinem Trupp beraubt. Sie konnten nicht weit sein. Das entfernte Bolterfeuer klang fahl und durch dazwischen befindliche Schotts gedämpft.
Als er die nächste Ecke sicherte stürzte sie sich auf ihn. Aus einem Bündel dicker Kabel herab ließ sie sich mit kreischender Klinge fallen. Ein herumwirbeln verhinderte das Schlimmste, so dass die Reihen fein gearbeiteter und viel zu scharfer Sägezähne lediglich in seinen Arm bissen. Funken flogen begleitet vom hochfrequenten Schnurren dieser fremdartigen Waffe. Das Ceramit schrie förmlich als immer mehr Schichten abgetragen wurden. Mit einem lauten Brüllen schlug der Krieger mit der Boltpistole zu und traf. Es knackte deutlich, als der zurückgeworfenen Gestalt das Helmvisier brach und diese an die Wand des düsteren Korridors geworfen wurde.
„Hab ich dich du hinterlistiges Biest.“ grollte der Astartes mit tiefer Stimme und blutverschmiertem Gesicht, während er sich nun zur Gänze seiner Kontrahentin zu wandte. Das Kettenschwert lief an, im Vergleich zur filigranen Waffe der Frau grollte und knurrte es tief wie eine Bestie.
Durch die Scherben ihres Helmes blickte sie mit gehobener Klinge zu ihm auf. Die violetten Augen waren willensstark und blinzelten als ihr frisches Blut in das Blickfeld lief. Verklebtes goldenes Haar hing in verschmierten Strähnen herab. Unverständiger Hass stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie ihn auf einer unbekannten Sprache anschrie, ehe sie sich erneut ins Gefecht warf.
Die edle Waffe der Eldar traf auf die grobschlächtige Wucht eines imperialen Kettenschwertes. Sie war schnell und traf den Astartes immer wieder, doch vermochte die Waffe es nicht den Panzer vom Mars zu trennen. Der Astartes war schnell, wirkte aber im Vergleich zu der wesentlich kleineren Kriegerin fast behäbig. Doch wo seine massiven Schläge trafen hinterließen sie Spuren. Beim Parieren wurde die Eldar immer weiter zurückgedrängt, als sie sich von der Wand abstieß und über den Koloss hinweg flog. Die Klinge streifte den Hünen im Gesicht und Riss eine weitere Wunde die er mit einem aggressiven Knurren quittierte. Dann musste er grinsen, es machte ihm Spaß und als er sich umwandte rannte die schmale Silhouette der Frau bereits den Schiffskorridor herunter. Die Boltpistole bellte als massereaktive Geschosse den Lauf der klobigen Waffe verließen. Hakenschlagend und mit beneidenswerter Eleganz wich sie aus, als die Geschosse links und rechts von ihr Explodierten und metallenes Schrapnell durch den lädierten Gang zischte. Hinter ihr das Echo der schweren Schritte, der Engel des Todes hatte die Verfolgung aufgenommen.
Als eines der Geschosse eine Druckleitung traf wurde die Eldar von einem Strahl heißen Dampfes aus dem Gleichgewicht gebracht und taumelte. Der nächste Schuss traf sie in den Rücken und sprengte Fleisch und Xenopanzerung gleichermaßen aus ihrer Flanke. Sie schrie auf als sie von der Wucht erneut an die stählerne Bordwand geschmettert wurde. Ein Keuchen wurde aus ihren Lungen gepresst. Ein Keuchen das zu einem wütenden schrillen Schreien wurde als sie sich auf den Rücken drehte und die Shurikenpistole hochriss. Feinste Nadeln füllten die Luft und spickten die grau lackierte Servorüstung des nahenden bewaffneten Riesen. Erneut grollte er und verzog das Gesicht als die Geschosse seinen Oberschenkel perforierten und das Bein für einen Moment unter dem Beschuss nachgab. Er stürzte sich auf sie und donnerte die Hand mit der Waffe auf den Boden. Das Kettenschwert hatte er dabei fallen lassen. Sie trat nach ihm, schlug mit der freien Hand immer wieder an den wuchtigen Schulterpanzer. Vergeblich. Wieder erbebte das Schiff und das warnenden hallen von weiteren Alarmsirenen füllte plötzlich die Luft.
Für den Bruchteil einer Sekunde blickten beide zu den Resten eines VoxLautsprechers an der Wand. „Hüllenbruch. Evakuierung eingeleitet. Hüllenbruch. Evakuierung eingeleitet.“, krächzte die blecherne Stimme monoton, jedoch bedeutungsschwanger. Eldar und Astartes sahen sich an. Ihr Brustkorb hebte und senkte sich schnell, Blut sickerte aus ihrem Mundwinkel. Er hob de Boltpistole und legte ihr die große Mündung an die Stirn, während sie sehr still wurde und ihn nur weiter anblickte.
„Du hast Glück.“, murrte er und zog gemächlich den Abzug. Als sich der gepanzerte Finger langsam krümmte schloss die junge Kriegerin die Augen. Mit einem verheißungsvollen Klong! Schlug der Schlagbolzen ins Leere. Als sie die Augen öffnete sah sie das grinsen eines Mannes der sich langsam begleitet vom surren der Servos seiner Rüstung erhob. „Das bringen wir zu ende wenn ich mal mehr Zeit habe.“ Sich orientierend blickte sich der Himmelskrieger um und zog dabei einer der scharfen Nadeln aus seiner Stirn, ehe er sein Schwert aufnahm und von dannen Schritt. Er blickte noch einmal zurück zu der seltsamen Eldar Kriegerin, doch diese war bereits fort. „Gar nicht schlecht für einen Xeno.“
Aus den Schatten blickte Iyanna ihm nach und hielt sich die noch immer stark blutende Seite. „Gar nicht schlecht für einen Chem-Pan-Sey.“

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2 Gedanken zu “Warhammer 40.000 [Hyperion Reihe] Charakterhintergrund: Orphan [1]

  1. Ein ausgesprochen interessanter Anfang. Der Kampf ist gut geschrieben und sehr plastisch, so das man sofort im Geschehen drin ist. Da möchte man mehr von lesen.

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